Weltenbummler Neue Tiere und Pflanzen unter uns

Österreichs Großlandschaften – Alpen, Alpenvorland, Ebenen, Hügelländer, Plateaus der Böhmischen Masse – bieten auf kleinstem Raum rund 67.000 verschiedenen Organismen einen über Jahrhunderte gewachsenen Lebensraum. Im Fokus der Ausstellung stehen jene 33 europaweit als am gefährlichsten klassifizierten „Aliens“ aus Flora uns Fauna: Neobiota. Jene der invasiven Art, die das heimische Ökosystem negativ beeinflussen und bis zum Aussterben von in Österreich heimischen Tieren und Pflanzen führen können. In acht thematisch angeordneten Räumen erfährt der Besucher mithilfe anschaulicher Modelle, rekonstruierter Lebensräume und Infotexten, in wie weit er selbst am Import und der Verbreitung der Neobiota verantwortlich ist.

Genauer hinschauen auf kleine Übeltäter ermöglicht das 50:1 Modell des Asiatischen Marienkäfers. Das Universalmuseum Joanneum ist das erste Museum, das ein Insektenmodell mithilfe eines 3-D-Druckermodells, einer Mikro-CT-Vermessung, rekonstruiert zur Schau stellt. Der Käfer demonstriert in seiner monströsen Größe folgenschwere Eingriffe in bestehende Ökosysteme durch den Menschen. So entkam der Käfer – zur Schädlingsbekämpfung in belgischen Gewächshäusern eingesetzt ¬– seinem „Gefängnis“ und beeinflusst seither das Ökosystem vor Ort negativ. In Österreich sind unter anderen der Europäische Flusskrebs und die Bachforelle durch Exoten bedroht.

Weltweit nehmen die Wanderbewegungen zu und mit ihnen die Gefahr die Balance gewachsener Ökosysteme zu stören und langfristig unvorhersehbare ökologische, ökonomische und gesundheitliche Probleme zu schaffen. Österreich hat sich 1994 mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen zum Erhalt der biologischen Artenvielfalt verpflichtet. Daher ist steirischen Initiativen, die sich mit dem Umgang von Neobiota beschäftigen, ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. Jahrhunderte lange Traditionen, wie die Jagd, kurzzeitige Hypes wie das Sportfischen oder der Wunsch die schönsten Exoten aus der Tier- und Pflanzenwelt in nächster Nähe zu haben, tragen zur aktuellen Entwicklung bei. Die Ausstellung zeigt, wie ausgeklügelt unser Ökosystem arbeitet.

Kuratorin: Ursula Stockinger
Co-Kuratoren: Wolfgang Rabitsch und Franz Essl (Fachkuratoren)
Gestaltung: Werner Schrempf
Naturkundemuseum Joanneumsviertel | 6. November 2015 – 2. April 2017
Aufgabe: Ausstellungsgestaltung
Auftraggeber: Universalmuseum Joanneum
www.museum-joanneum.at

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© UMJ / N. Lackner